VNPS Signet
Verband Naturwissenschaftlicher Praeparatorinnen und Praeparatoren der Schweiz
Frühjahrstagung 2003
Tagungsbericht zur 42. Internationalen Arbeitstagung des VDP
in CH-Bern

20. bis 24. Mai 2003


Anstelle eines Tagungsberichtes in der üblichen Form wird hier ein Pressebericht aus der Neuen Zürcher Zeitung, NZZ vom 23.05.2003 unverändert und vollständig zitiert. Wir danken der NZZ-Redaktion und dem Journalisten Herrn Alois Feusi dafür, dass sie uns diesen Artikel zur Verfügung gestellt haben.

Der Kongress der Konservatoren

Internationale Arbeitstagung von Präparatoren in Bern

NZZ, fsi. Bern, 22. Mai

Die Handwerker aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, die dieser Tage in Bern einen fünftägigen Kongress abhalten, wären als Teilnehmer am „Heiteren Beruferaten“, einem Quotenschlager aus den Frühzeiten des Fernsehens, wohl mit einem gut gefüllten „Schweinderl“ nach Hause gegangen. Denn im ganzen deutschsprachigen Raum gibt es nur ein paar hundert von ihnen, und ihre Produkte sind zwar wohlbekannt, aber kaum jemand wird sich Gedanken darüber machen, von wem und wie sie hergestellt werden – Tier- und Pflanzenpräparatoren üben ein seltenes und unauffälliges Gewerbe aus. In der Schweiz sind rund 60 von ihnen im Verband Naturwissenschaftlicher Präparatorinnen und Präparatoren (VNPS) zusammengeschlossen, und in Deutschland zählt der Verband Deutscher Präparatoren (VDP) auch bloss knapp 500 Mitglieder. Bei ihrer Arbeit in grösseren Museen oder in Kleinbetrieben, wo sie Aufträge für Ausstellungen, von Schulen, Vogelschutzvereinen und Trophäen sammelnden Jägern ausführen, haben sie wenig Kontakt mit Berufskollegen. Umso wichtiger sind für sie deshalb Veranstaltungen wie die 42. Internationale Arbeitstagung des VDP, die vom 20. Bis zum 24. Mai im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern stattfindet.
In einem Workshop wurde von Dieter Schön das Abändern einer komerziellen PU-Form erklärt und vorgeführt. In einem Workshop wurde von Dieter Schön das Abändern einer komerziellen PU-Form erklärt und vorgeführt.


Ein Museum mit gutem Ruf

Das Berner Museum hat im dermoplastischen Bereich eine grosse Tradition und geniesst in Fachkreisen einen ausgezeichneten Ruf. Weil die Verbindungen zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Verband sehr eng sind und ein harter Kern von VNPS-Mitgliedern regelmässig an den Veranstaltungen des VDP teilnimmt, überzeugte der Berner Chefpräparator und VNPS-Präsident Christoph Meier die Museumsdirektion davon, die deutschen Kollegen zu ihrem Jahreskongress in die Bundesstadt einzuladen. Rund 170 Personen sind nach Bern gekommen, um Vorträge mit Titeln wie „Die Klimatisierung von Sammlungsgut“, „Fette und Wasser in biologischen Präparaten“ oder „Präparationshilfsmittel Gefriertrockner“ zu hören. Sie nehmen an Workshops zum Thema „ Hautkonservierung“ oder „Effektive Methode zur Änderung von Tierkörper-Fertigformen aus Polyuretan“ teil. Und sie waren am Mittwoch zur Buchvernissage von „Hautkonservierung. Handbuch für das zoologische Präparatorium“ geladen: laut Christoph Meier ein wegweisendes und bisher einzigartiges Werk zur Langzeitkonservierung. Es stammt vom Berner Knochen- und Hautspezialisten Martin Troxler und seinem ehemaligen Lehrmeister Ulrich E. Schneppat vom Bündner Naturmuseum in Chur.

In den Sonderaustellungsräumen in der zweiten Etage präsentieren verschiedene Firmen Acryl- und Glasaugen für Säuger, Vögel und Fische, Silikonwerkstoffe und Klebemittel, Spezialwerkzeuge, Gerbereiprodukte oder fertige Körperrohlinge von Iltissen, Wieseln und Mardern – eine Shoppingwelt der exotischen Art. An Stellwänden hängen Plakate zu Schäden in Fellsammlungen oder zur verheerenden Wirkung vergessener Fette in Präparaten. Auf einem Tisch pulsiert ein Gummiherz aus der Werkstatt eines anatomischen Präparators, an dem sich angehende Chirurgen im Operieren üben können. In einer Virtine sind monströs wirkende Rieseninsekten in Massstäben von bis 30:1 ausgestellt und daneben Pilzpräparate, die zum Teil so fein sind, dass die sich nur durch eine Lupe betrachten lassen.
In der Begleitausstellung zur Tagung wurden verschiedenste Arbeiten gezeigt, u. a. diese Insekten-Grossmodelle von Julia Stöss. In der Begleitausstellung zur Tagung wurden verschiedenste Arbeiten gezeigt, u. a. diese Insekten-Grossmodelle von Julia Stöss.


Fischpräparat eines Weltmeisters

Für die Tagungsteilnehmer wurde auch ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die eingereichten Arbeiten sind noch bis zum Freitagnachmittag ausgestellt, anschliessend werden sie von den Gästen wieder nach Hause genommen. Gesamtsieger wurde der Solothurner Marc Bloch, der in Flüh eine Werstätte als zoologischer Präparator führt. Meier beschreibt Blochs präpariertes Damhirschkalb als eine Arbeit, die sowohl anatomisch als auch handwerklich besteche und sehr angenehm präsentiert sei. Dass in der Dekoration zwei Schmetterling vorkommen, die aus verschiedenen Lebensräumen stammen, hat die Jury Bloch nachgesehen. Ein besonderes Schmuckstück ist das Fischpräparat, mit welchem Matthias Fahrni aus Aegerten bei Biel in Springfield, Illinois, in seiner Kategorie den Weltmeistertitel 2003 gewonnen hat. Die an japanische Zenkunst erinnernde Skulptur zeigt einen vor einer filigranen Wasserpflanze in der Strömung stehenden Schneider; eine Fischart, deren Präparation laut Meier wegen der Besonderheiten ihrer Haut aussergewöhnliche hohe Ansprüche stellt.

In der Posterausstellung wurde nebst vielen Arbeitstechniken auch die Ausbildung des VNPS vorgestellt. In der Posterausstellung wurde nebst vielen Arbeitstechniken auch die Ausbildung des VNPS vorgestellt.
Ebenfalls thematisiert wird an der Veranstaltung die Ausbildung der Präparatoren. Und auf Schautafeln sind Fächer aufgelistet wie das Abbalgen von Säugetieren und Vögeln, Anatomie, Balgherstellung, Gerben, Hautkonservierung, ausrüsten mit Insektizid und Fungizid oder das Montieren von Skeletten. Während es in Bochum eine höhere Berufsfachschule gibt, an der jedes Jahr pro Fachrichtung zehn Schüler mit mittlerer Reife eine dreijährige Ausbildung antreten, kennen die Schweizer keine offiziell anerkannte Berufslehre. Aber es gibt eine, vom Berufsverband begleitete, vier Jahre dauernde, privatrechtliche Meisterlehre inklusive Berufsschule, die vornehmlich von jungen Leuten absolviert wird, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben. Für eine Anerkennung durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ist die Zahl der Lehrlinge zu klein. In Bern zum Beispiel wird derzeit erst die zweite Präparatorin seit Meiers Stellenantritt vor zehn Jahren ausgebildet.

Eine Gesellschaft von Käuzen

In einem derart seltenen Gewerbe seien die jährlichen Tagungen nicht nur wichtig für den fachlichen Erfahrungs- und Wissensaustausch, sagt Hagen Schulz-Hanke, Vorsitzender des VDP und Dozent an der Bochumer Fachschule. „Es wächst fast so etwas wie eine Familie zusammen; der nette Umgang miteinander ist ebenso wichtig wie die Fachveranstaltungen.“ Und Meier ergänzt: „Die meisten Präparatoren sind Käuze, sehr eigenwillige Menschen, die es geniessen, an diesen Veranstaltungen ein paar Tage unter ihresgleichen zu verbringen.“

Artikel erschienen am 23.05.2003 in der Neuen Zürcher Zeitung, NZZ
Fotos: E. und U. Paulduro
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