VNPS Signet
Verband Naturwissenschaftlicher Praeparatorinnen und Praeparatoren der Schweiz
Bericht zur VNPS-Parisreise Ende August 2002
Bericht zur VNPS-Parisreise Ende August 2002 Herbstagung 2002

Auf den Spuren unserer deutschen Kollegen von der Landesgruppe Berlin/Brandenburg machte sich Ende August auch eine VNPS-Gruppe auf die Reise in die Seine-Stadt. Etwa 30 Präparatoren und Präparatorinnen mit Ihren PartnerInnen aus der Schweiz mit ein paar willkommenen Mitreisenden aus dem VDP liessen sich diese günstige Gelegenheit nicht entgehen. Ziel war, die beiden sich so gegensätzlich präsentierenden grossen Ausstellungen im Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris ausgiebig, und von Hintergrundsinformationen und Führungen begleitet, anzusehen. Leider sind die Kontakte von uns deutschsprachigen Präparatoren zum frankophonen Sprachraum schon von den Verständigungsproblemen her sehr dürftig. Es kommt aber noch dazu, dass, wie in anderen kulturellen Gebieten auch, durchaus unterschiedliche Ansichten, Vorlieben und Umsetzungsstile zwischen dem deutschen und dem französischen Sprachraum festzustellen sind. Da sollte man aber nicht Vorurteile pflegen und hüten; da muss man hinfahren – da muss man sich ein eigenes Bild machen!

Wo findet sich noch ein Skelettsaal mit dem Ausmass einer Bahnhofshalle und im Stil der Jahrhundertwende, der in seiner Fülle überwältigend, gar erschlagend ist, und in seinen Details für den Interessierten eine unerschöpfliche Fundgrube darstellt?
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Wo findet sich andererseits ein Museumsspektakel, das in den 1990er-Jahren auf ausdrückliche Anweisung des Staatspräsidenten persönlich von Spitzenarchitekten und einem Opern- und Filmregisseur (!) In Szene gesetzt worden ist? – In Paris.

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Was die Geschichte und die Beschreibung der beiden Skeletthallen „Paléontologie et Anatomie comparée“ und der „Grand Galerie de l’Evolution“ angeht verweise ich auf den ausführlichen und sorgfältig recherchierten Bericht der Kollegen Ch. Blumenstein, J.Fiebig und St. Gloger im „Präparator“ 2/1999. Sowohl der Beschreibung als auch dem Kommentar ist nichts Grundsätzliches anzufügen. Ergänzend seien an dieser Stelle nur die Eindrücke unserer jüngsten Präparatorin in Ausbildung, Rahel Felber (seit August 2002 im Berner Museum in der Lehre), zitiert:

„Die Dimensionen an Grösse und Menge der Präparate in den Hallen der vergleichenden Anatomie und Paläontologe ist beeindruckend und versetzt uns in eine vergangene Zeit. Eine Herde Skelette starrt aus leeren Augenhöhlen auf die Besucher – in Wandvitrinen unzählige Einzelknochen, Schädel und Flüssigkeitpräparate. Ganz anders in der völlig neu gestalteten „Galerie de l‘ Evolution“. Die Mitarbeit eines Theater-Regisseurs ist sofort spürbar, und lässt uns in eine andere Welt eintauchen. Die Präparate wirken nicht als Einzelstücke, sondern sind als Gesamtes inszeniert. Aus der meerblau beleuchteten Tiefe des Meeres steigen wir an die Oberfläche, vorbei an einer Karawane verschiedenster Savannentiere und betrachten das ganze Bild beim Höhersteigen in die oberen Galerien aus der Vogelperspektive. Diese Ausstellungsweise lässt einen auf einen Blick die Vielfalt der Tierwelt erfassen.“

Sicher muss aber noch von den Menschen, die wir im Museum getroffen haben erzählt werden.
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Zuerst von Monsieur Maigret, dem verantwortlichen Leiter der Grande Galerie. Trotz Ferienzeit hat er sich von der ersten Anfrage an um uns gekümmert und uns zu allen Ausstellungen freien Eintritt gewährt. Er hat die Kontakte zu den Präparatoren organisiert und führte uns persönlich durch „seine“ Ausstellung. Mit Spannung betraten wir das Atelier für Dermoplastiken, ein „Providurium“ in einer Nebenstrasse des Museumskomplexes im „Jardin des Plantes“. „Maitre“ Jack Thiney stellte in einer bescheidenen, kurzen Führung sein Vorgehen beim Aufbau einer Dermoplastik vor. An sich nichts Neues, nichts Spektakuläres – das Spektakuläres liegt dabei, dass Jack Thiney offenbar immer noch viel und regelmässig Dermoplastiken jeglicher Grösse herstellt. Eben ist er dabei ein Nilpferd aus dem Zoo aufzustellen, und damit Stück für Stück die teilweise sehr in die Jahre gekommenen Dermoplastiken der Grande Galerie zu ersetzen. Beeindruckt waren wir alle von seinen vielen Kleinmodellen, die auf einem Bücherbord verstauben. Sein lakonischer Kommentar dazu lautete: „wenn Du es nicht schaffst ein gutes Kleinmodell zu modellieren, musst Du mit dem Grossen gar nicht anfangen“. Aber auch Christoph Gottini mit seinen Kollegen im gleich neben der Ausstellung liegenden Präparatorium für kleine Tiere, für Sammlungspräparation und für Modellbau (z.B. Fischmodelle) liessen uns in ihre „Töpfen gucken“ und beantworteten die eine oder andere Frage – soweit es Sprache und der gegenseitige Wissensstand zuliessen.

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Auf jeden Fall war aber überall zu spüren, dass Kollegenkontakte immer willkommen sind!

Dass die bunt zusammengesetzte Reisegruppe von Berufskollegen in Paris, auch neben dem eigentlichen „Weiterbildungsziel“ der Reise, gute Tage und Abende verbringen und die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch fleissig genutzt hat, muss nicht besonders betont werden.

Christoph Meier, CH-Bern, 13.11.2002
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