|
Herbsttagung 2003 |
 |
 |
Einsatz von Fertigformen und Fertigteilen in der Tierpräparation
37. 0rdentliche Generalversammlung
29./30. August 2003 in Bolligen bei Bern
Es ist Freitag, der 29. August 2003, 16 Präparatorinnen und Präparatoren finden sich
für den Workshop «Einsatz von Fertigformen und Fertigteilen in der Tierpräparation»
im alten Schulhaus in Bolligen bei Bern ein.
Im Untergeschoss stehen für den Workshop 10 Arbeitsplätze, die von Daniel
Tschanz aus Oberburg und Vorstandsmitgliedern eingerichtet wurden, zur Verfügung.
Wolfgang Hauser, Dermoplastiker und Inhaber der Firma „Hauser-Formen“ aus Eigeltingen
(Deutschland) leitet den Workshop. In seiner Einführung hält er fest, dass sich
Fertigformen immer mehr etablieren. Fertigformen finden heutzutage nicht nur bei
den selbständigen PräparatorInnen, sondern auch in Museen Anwendung. Wolfgang Hauser
demonstriert die Anpassung einer Polyurethan-Fertigform eines Rehbockes an ein einjähriges,
weibliches Reh (Schmalreh). Er ist sehr geübt. In kurzer Zeit führt er uns in die Praxis ein.
Am Nachmittag werden dann die Teilnehmenden selber eine PU-Form bearbeiten.
|
 |
 |
|
Das Arbeiten macht allen Beteiligten grossen Spass |
 |
|
 |
 |
Nun demonstriert uns Uwe Goepel, selbständiger Präparator aus Meilen,
«Lösungsmöglichkeiten den Ohransatz bei Huftieren» mit Hilfe von „ear-buttons“
zu gestalten. Er weist darauf hin, dass der Ohransatz oft vernachlässigt wird
und wie wichtig es ist, diesem Detail Beachtung beizumessen und es sauber
herauszuarbeiten. Uwe Goepel zeigt mehrere selber hergestellte Ohrknorpel
und die dazu gehörenden Formen.
Nach dem vom Vorstand vorbereiteten Mittagessen informiert uns Martin Troxler
vom Naturhistorischen Museum Bern und Mitglied der Ausbildungskommission über
die Neuerungen im Ausbildungskonzept. Es soll ein Eignungstest vor Beginn der
Ausbildung eingeführt werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Auswahl
von Ausbildungsinteressierten nicht immer optimal verläuft. Weiter sollen
AusbildnerInnen wie Auszubildende durch die Ausbildungskommission, mittels
einem Lehrplan und zur Verfügung gestellten Theorieunterlagen, besser
unterstützt werden. Dies soll dazu führen, dass die Ausbildung und
Lehrabschlussprüfung besser bewältigt werden können.
|
 |
 |
|
Uwe Goepel zeigt das Modellieren einen Ohransatzes |
 |
|
 |
 |
Alle Teilnehmenden finden sich nach den Ausführungen von Martin
Troxler wieder beim Workshop ein. An jedem Arbeitsplatz liegen
eine PU-Fertigform samt Werkzeugen bereit. Nun beginnt ein Sägen,
Messen, Schleifen, Schrauben, Kleben und Schäumen. Philipp Bauer,
Inhaber der Firma „Bauer Handels GmbH“ aus Adetswil demonstriert,
wie PU-Schaum auf die Art und Weise des Mischens reagiert. Er zeigt
uns eindrücklich, dass nur bei einem korrekten Mischungsverhältnis
und maschinellem Rühren mit einem geeigneten Stabrührer befriedigende
Ergebnisse erreicht werden. Eine rege Auseinandersetzung über Vor- und
Nachteile der PU-Fertigformen erfasst die ganze Gruppe. «Alte Hasen»
geben ihre Erfahrungen an die «Jungen» weiter. Mit so vielen Berufsleuten
zusammen zu arbeiten ist eine wohltuende und bereichernde Erfahrung.
Später demonstriert Wolfgang Hauser das «Einsetzen eines künstlichen
Gebisses bei einer Grosskatze». Wichtig dabei ist: Der Drehpunkt des
Kiefergelenkes sitzt weit hinten am Schädel, der Schnitt bei einer
PU-Kopfform darf daher nicht in den Mundwinkeln enden. Zudem
muss der Oberkiefer sehr weit nach vorne eingearbeitet werden.
Die Stellung der Zahnspitzen soll wenn möglich vom Originalschädel
abgeleitet werden.
|
 |
 |
|
Wolfgang Hauser demonstriert das Abändern (Masse verkleinern, drehen und strecken) einer PU-Rehform |
 |
|
 |
 |
Der Apéro wird draussen bei beginnendem Gewitter serviert.
In aufgeräumter Stimmung findet anschliessende ein Spaghetti-Plausch statt.
Nach dem Abendessen lädt Präsident Christoph Meier zur
Diskussionsrunde mit dem Thema «Verbandsziele und -zukunft» ein.
In offener, lebhafter Form werden Probleme angesprochen.
Unter anderem die Frage: Worauf ist die schrumpfende Zahl
von Teilnehmenden bei VNPS-Veranstaltungen zurückzuführen?
Einige Gründe werden aufgezählt, z,B. setzten sich in der
heutigen Zeit die Mitglieder andere Prioritäten, das solidarische
Verbandsmitglied ist nicht mehr „Mode“. Jedes einzelne
Weiterbildungsangebot wird auf direkten Nutzen und Umsetzbarkeit
geprüft – es fehlt am Interesse eine umfassende und allgemeine
Weiterbildung zu pflegen. In den Museen sind die rosigen Zeiten
in dem Sinne, dass zahlreiche Stellen zur Verfügung stehen,
vorbei. Vielmehr suchen sich die Museen vermehrt Ihre Partner
unter den freiberuflichen PräparatorInnen, was, neben der konjunkturellen
Entwicklung, stetig steigende Ansprüche an Fexibilität und Qualitätstandart
im ausdünnenden Berufsstand stellt.
Das Aufnahmeverfahren für Neumitglieder (Berufsleute
gemäss Statuten) wird demgegenüber als wenig einladend beurteilt
– es soll überdacht werden. Trotz diesen teilweise pessimistischen
Feststellungen werden wir, junge und gestandene Berufsleute zusammen,
weiterhin wie z.B. heute Nachmittag, Kontakte, Austausch und Kollegialität
untereinander fördern und unterhalten.
|
 |
 |
|
Die von Wolfgang Hauser gezeigten Techniken werden direkt umgesetzt und ausprobiert. |
 |
|
 |
 |
Am Samstag, dem 30. August 2003 findet die 37. Ordentliche
Generalversammlung im Landgasthof «Sternen» in Bolligen statt.
Christoph Meier leitet die Versammlung. Die Traktanden werden
zügig besprochen, es gibt keine Kontroversen. Der Antrag der
Ausbildungskommission, das Ausbildungsreglement in Art. 2.3 zu
ergänzen mit «Der VNPS-Eignungstest ist zwingende Voraussetzung
für die Genehmigung des Ausbildungsvertrags durch den Vorstand
des VNPS», wird einstimmig angenommen.
Die Generalversammlung endet eine Stunde früher als vorgesehen.
Mit lockerem Beisammensein klingt die bereichernde Tagung aus.
Den Organisatoren (der Vorstand des VNPS) und den Referenten,
die die Planung und Durchführung der Tagung mit grossem Einsatz
durchgeführt haben, sei ganz herzlich gedankt.
Susi Wiederkehr/ CH-Ottikon
|
 |
 |
|