VNPS Signet
Verband Naturwissenschaftlicher Praeparatorinnen und Praeparatoren der Schweiz
VNPS-Tagung im Naturama Aarau vom 2./3. September 2005
Ursprünglich war die Tagung im Tessin in Lugano geplant. Wegen der grossen Unwetterschäden knapp zwei Wochen vor der Tagung waren sowohl die Strassen als auch die Zugverbindungen in den italienischsprachigen Teil der Schweiz zum Teil stark beschädigt oder gar ganz unterbrochen. Aus diesem Grund hat der Vorstand eine Woche vor der Tagung beschlossen, den Anlass in der Deutschschweiz durchzuführen. Das Museum “naturama“ in Aarau war kurzfristig bereit, den VNPS aufzunehmen.

Aufgrund des Umstandes, dass fast alle Naturmuseen der Schweiz als Kollektivmitglieder gewonnen werden konnten, wurde bei dieser Tagung ein Thema gewählt, das speziell auch auf die Zusammenarbeit von Präparator/Innen und Museen einging. So ist das Erfassen von Biometrie-Daten oftmals eine Arbeit, die von den Präparatoren/Innen durchgeführt wird und die als wichtige Basis für die Forschungstätigkeit des Hauses dient – ebenfalls von Tieren, die in Privatbetrieben verarbeitet werden, sollten die wichtigsten Masse genommen werden.
Nur eine optimale Ausrüstung und akribisches Arbeiten ergeben brauchbare Masse bei Kleinsäuger
Am Freitag um 9.30 Uhr war Besammlung in der Cafeteria des Museums. Bei Kaffee und Gipfeli begrüssten sich die ca. 25 am Fachteil der Tagung teilnehmenden Mitglieder, Referenten und Gäste. Pünktlich um 10 Uhr war die Begrüssung durch den Präsidenten Christoph Meier. Zu Beginn referierte Walter Künzler, Leiter des Naturmuseums Solothurn über Wert und Sinn von Tierpräparaten in Sammlungen und Museen aus der Sicht eines Museumsleiters. Er zeigte anhand von Bildern die Entwicklung der Museen von den mit Präparaten überfüllten Kabinetten - bei denen oftmals die Sammlung mit der Ausstellung gleichzusetzen war - bis zu heute zum Teil fast „präparatefreien“ Ausstellungen. Anhand interessanter Beispiele ging er auf die Qualität von Präparaten ein, sowie auf die ethische Problematik von Präparatedarstellungen (Darstellung von Jagdszenen, Kitsch bei Podestgestaltungen, menschliche Schaupräparate, etc.). Als Fazit des Vortrages kann gesagt werden: Ein Naturmuseum ohne Präparate ist kein gutes Museum. Der sehr interessante Vortrag kann im Internet nachgelesen werden.

Anschliessend berichtete Dr. Jürg Paul Müller (Museumsleiter Chur und Säugetierkundler) über den Sinn und die Notwendigkeit, an frischtoten Säugetieren vor der Präparation Biometrie-Daten – vor allem Masse und Gewebeproben – zu erheben. Anhand konkreter Beispiele aus seiner Forschungstätigkeit der letzten Jahrzehnte konnte er auch die Wichtigkeit solcher Daten belegen. So kann zum Beispiel neben den bekannten Arten der Wald- und der Gelbhalsmaus auch die Art der Alpenwaldmaus neu belegt werden. Er zeigte die Wichtigkeit von Belegen auf (Balg, Schädel, Gewebeproben und Dokumentation, bestehend aus Ort, Datum, Todesursache und Körpermassen). Ausserdem wies er ausdrücklich darauf hin, dass die Qualität der Masse viel wichtiger ist als die Quantität der Masse.
Geschlechts- und Altersbestimmung bei Kleinvögeln erfordern sehr viel Erfah-rung
Nach einer kurzen Pause berichtete der kurzfristig für die Tessiner Referentin eingesprungene Biologe und aktive Fledermauskundler des Kantons Aargau, Andres Beck aus Wettingen über die spezielle Problematik der Datenerfassung bei Fledermäusen. Bei den Fledermäusen können viele Arten anhand der Unterarmlänge bestimmt werden. Bei einigen Arten werden zusätzliche Daten wie die Länge des Daumens oder Masse des Ohrdeckels benötigt. Dank der Technik der DNA-Bestimmung konnten neue Fledermausarten entdeckt werden (z.B. die Mückenfledermaus, die bisher als Zwergfledermaus mitgelaufen ist). Anhand solcher Beispiele kann gezeigt werden, dass es auch wichtig ist, angeblich gewöhnliche/häufige Arten trotzdem zu sammeln. Mit seinem Beitrag zur Vogelmauser schloss Dr. Raffael Winkler aus dem Naturhisto-rischen Museum Basel den Faunistik-Reigen der höheren Wirbeltiere. Auch belegte an verschiedenste Beispiele die Wichtigkeit der Erhebung von Daten zu den präparierten Belegen.

Bei bestem Wetter wurde das Mittagessen in einem Gartenrestaurant in der Stadt Aarau genossen und es war genügend Zeit zum Plaudern, für Fachgespräche und zur Kontaktpflege. Zurück im Museum wurden die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt. In drei Workshops wurde das Messen nun praktisch vorgeführt und die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, auch selber die Messwerkzeuge an die vorhandenen Tiere anzulegen. Ueli Schneppat betreute den Workshop „Säugetiervermessen“, Andres Beck die Fledermäuse und Raffael Winkler die Vögel, wobei bei den Vögeln speziell auf die Sektion zur Geschlechts- und Altersbestimmung eingegangen wurde. Es war genügend Zeit, auf spezielle Fragen einzugehen und sich von den Referenten und anwesenden Spezialisten Details erklären zu lassen. Alle Teilnehmer waren mit grossen Interesse dabei und nutzten die Möglichkeit, sich ins Thema zu vertiefen. Die Teilnehmer machten sich nach 17.00 Uhr auf den Weg zu einem Feierabendtrunk, zum Hotel oder nach Hause.
die Pneumatisation (Verknöcherung des Schädeldaches) gibt bei Singvögeln Hinweise auf das Alter“ – Vergleich von Vogelschädeln mit einer Tabelle
Am Samstag war die Generalversammlung des VNPS. Die Anträge des Vorstandes und der Ausbildungskommission (Statutenänderung bezüglich Abschaffung des Mitgliederausweises sowie Änderung des Wahlverfahrens der Prüfungsexperten) wurden beide sehr deutlich angenommen. Unter dem Traktandum “Verschiedenes“ wurde unter anderem auch auf die Problematik der Vogelgrippe eingegangen, ein Thema, das auch für die Präparatoren/Innen ein Thema werden muss. Der VNPS will weitere Abklärungen treffen und seine Mitglieder informieren. Dank der guten Tagungsleitung des Präsidenten Christoph Meier ging die Tagung sehr speditiv und konstruktiv über die Bühne und die Versammlung konnte pünktlich zum Mittag beendet werden. Mit dem gemeinsamen Essen im Bahnhofsrestaurant wurde die Tagung auch noch kulinarisch und gesellschaftlich “abgerundet“.


Text und Bilder Philipp Bauer
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